Der Schnitt stockt beim Durchsehen großer Quelldateien. Eine mögliche Arbeitsweise sind Proxies: zusätzliche, bewusst für den Schnitt erzeugte Fassungen eines Clips. Sie sollen bei der Arbeit anstelle der umfangreicheren Quelle verwendet werden. Damit das Ergebnis später zum Original passt, muss das Schnittprojekt beide Fassungen eindeutig demselben Material zuordnen.
Kdenlive beschreibt diesen Ablauf anhand seiner Proxy-Funktion: Das Projekt kann eine kleinere Vorschaufassung benutzen und beim endgültigen Rendern auf die Originalquellen zurückgreifen. Eine wichtige Ausnahme steht in der Render-Dokumentation: Dort lässt sich die Ausgabe ausdrücklich mit Proxies aktivieren, etwa für eine schnelle Kontrollfassung. Deshalb gehört die gewählte Exportquelle zur Abnahme.
Kdenlive-Handbuch: Proxy Clips im Medienmenü
Arbeitskopie, Projektbezug und Lieferdatei unterscheiden
- Original: die bewahrte Quelle, auf die das Projekt für die gewünschte Endqualität zugreifen können soll.
- Arbeitsproxy: eine zusätzliche Schnittfassung. Ihre Verbindung zum Original wird im Schnittprogramm angelegt oder nach dessen vorgesehenem Verfahren hergestellt.
- Lieferdatei: der fertige Film für den vereinbarten Empfänger. Dass ein Projekt mit Proxies geschnitten wurde, entscheidet allein noch nicht über deren Verwendung im Export.
Ein Ordner mit ähnlich benannten kleinen MP4-Dateien ist noch kein eingerichteter Proxy-Arbeitsablauf. Schreibe vor dem Erzeugen auf, welche Datei zu welcher Quelle gehört. Wenn zwei Kameras beide eine Datei namens CLIP001 erzeugen, braucht die Zuordnung weitere eindeutige Angaben, etwa Aufnahmeordner oder eine eigene Materialkennung.
Eine eigene Dateiprobe mit derselben Zeitbasis
Wir haben einen eigenen stummen Viersekundenclip mit 1280 mal 720 Pixeln und 25 Bildern pro Sekunde erzeugt. Jedes Bild zeigt die Kennung CLIP A und eine ab null gezählte Bildnummer. Daraus entstand eine kleinere Fassung mit 640 mal 360 Pixeln. Die Dateien enthalten jeweils 100 decodierbare Bilder; die ausgelesenen Bildzeitpunkte stimmen über den ganzen Clip überein.
Die Quelle belegt in diesem Versuch 49.812 Byte, die kleinere Fassung 20.524 Byte. Im regulären lokalen Chrome zeigten beide nach dem Sprung auf eine Sekunde BILD 025. Auch die tatsächlich aus beiden Dateien exportierten Einzelbilder zeigen dieselbe Kennung. Ihre Bilddaten sind durch Skalierung und erneute Codierung verschieden. Die geringere Dateigröße ist ein Ergebnis dieses künstlichen Clips und keine allgemeine Einsparquote.
Die Probe bestätigt passende Bildpositionen dieser beiden Dateien. Sie enthält kein tatsächlich eingerichtetes Schnittprojekt und misst keine Beschleunigung eines Rechners. Ob ein Proxy-Format auf deinem Gerät hilfreich ist, prüfst du mit einem repräsentativen eigenen Projekt und denselben Schnittaktionen.
Die Zuordnung zuerst an einem Clip erproben
- Originalquelle unverändert erhalten und einen unterscheidbaren Ort für Arbeitskopien festlegen. Die Projektdatei zusätzlich sichern.
- Proxy-Verfahren des verwendeten Schnittprogramms an einem Clip einrichten. Nicht nur eine kleinere Datei in die Timeline ziehen und die Verbindung voraussetzen.
- Anfang, eine markante Mitte und Ende zwischen Quelle und Arbeitsfassung vergleichen. Bei vorhandenem Ton auch Kanalzuordnung und zeitliche Lage prüfen.
- Eine kurze Schnittfolge mit den gewünschten Originalquellen ausgeben. Erneut eine markante Stelle und die vorgesehenen Ausgabemaße kontrollieren.
- Erst danach den Ablauf auf weiteres Material übertragen. Die Verbindung auch nach einem geplanten Projektumzug an einer Kopie des Projekts prüfen.
Wenn die Arbeitskopie nicht zum Original passt
Stimmt eine Stelle am Anfang, aber eine spätere Stelle nicht, reicht die Übereinstimmung des Dateinamens nicht. Prüfe, ob die Arbeitsfassung aus dem vollständigen richtigen Clip entstanden ist und ob Dauer, Bildpositionen oder Zeitbasis verändert wurden. Ein absichtlich gekürzter Ausschnitt ist für eine automatische Zuordnung nicht ohne Weiteres dieselbe Quelle.
Fehlt das Original am neuen Arbeitsplatz, protokolliere den fehlenden Pfad und stelle die vorgesehene Quelle wieder bereit. Ein vorhandener Proxy ersetzt das verlorene Original nicht. Umgekehrt ist eine Neuberechnung der Arbeitskopie etwas anderes als das erneute Aufnehmen des Quellmaterials.
Projektdatei, Export und Rohmaterial getrennt sichern
Den Exportweg ausdrücklich festhalten
Für eine interne Sichtung kann eine bewusst gewählte Proxy-Ausgabe ausreichen. Benenne sie dann als Kontrollfassung und halte die dafür gewählten Einstellungen fest. Soll die Lieferung aus Originalen entstehen, kontrolliere vor dem Rendern deren Erreichbarkeit und die entsprechende Exportoption. Eine sauber benannte Lieferdatei und die kurze Stichprobe an derselben Schnittstelle machen den Unterschied nachvollziehbar.