Ein Video erklärt seinen Inhalt über Bild, Ton und Bedienung. Wenn eine dieser Ebenen nicht verfügbar ist, kann ein entscheidender Hinweis fehlen. Ein einziger Textbaustein beantwortet deshalb nicht automatisch jede Zuschauerfrage. Plane zuerst, welche Information aus welcher Ebene stammt und wo sie zusätzlich zugänglich sein soll.
W3C WAI beschreibt Captions als synchronen Text für relevante Sprach- und Toninformation. Ein Transkript stellt Inhalte als eigenständig lesbaren Text bereit. Beschreibungen ergänzen wichtige sichtbare Informationen, die der Ton noch nicht vermittelt. Die englischen Begriffe Captions und Subtitles werden regional unterschiedlich verwendet; WAI unterscheidet in seiner Erläuterung zudem gleichsprachige Captions und übersetzte Subtitles.
Eine eigene kurze Atlas-Szene
Unser Beispiel ist ein schriftlich ausgearbeitetes Storyboard. Es behauptet keine tatsächlich aufgenommene Tonspur und zeigt keine echte Produktoberfläche. In einer erfundenen Atlas-Ansicht ist der Eintrag „Übung“ ausgewählt. Eine Person löst „Prüfen“ aus. Danach wechselt die sichtbare Anzeige von „Offen“ zu „Prüfung abgeschlossen“.
Der gedachte Kommentar lautet nur: „Der Schritt ist fertig.“ Für die Szene nehmen wir keine zusätzliche bedeutungstragende Toninformation an. Das Ergebnis „Prüfung abgeschlossen“ steht ausschließlich im Bild. Genau diese Lücke lässt sich nun an drei Textfassungen nachvollziehen.
Fassung eins: Untertitel zur gesprochenen Information
Die Untertitelfassung lautet an der entsprechenden Zeitstelle: „Der Schritt ist fertig.“ Sie gibt den gedachten Sprechsatz wieder. Für einen echten Film müssten Anfang, Ende und Einblendung zur tatsächlichen Tonspur passen. Wichtige Geräusche oder Sprecherwechsel gehören abhängig vom Inhalt ebenfalls in die zugängliche Toninformation.
Der Satz sagt weiterhin nicht, welche Anzeige sich im Bild verändert hat. Das ist kein Übersetzungsproblem. Die zusätzliche Bedeutung war im ursprünglichen Kommentar gar nicht enthalten. Allein eine weitere Sprache für denselben Satz würde diese Lücke deshalb nicht schließen.
Automatisch erzeugte Untertitel brauchen eine inhaltliche Kontrolle. WAI weist darauf hin, dass fehlende oder falsch erkannte Wörter sogar die Bedeutung umkehren können. Prüfe bei einem echten Tutorial insbesondere Bezeichnungen, Verneinungen und Namen von Schaltflächen. Eine erfolgreich geladene Spur belegt ihre technische Einbindung, nicht ihren vollständigen Inhalt.
Fassung zwei: Transkript der Toninformation
Ein einfaches Tontranskript unserer Szene enthält ebenfalls den Satz „Der Schritt ist fertig.“ Es lässt sich lesen, ohne auf die passende Zeitstelle zu warten. Bei mehreren Sprechenden oder benötigten Tonhinweisen müsste der Text diese Informationen entsprechend erschließen.
Seine Form unterscheidet sich von einer zeitgesteuerten Untertitelspur: Absätze, Überschriften und eine sinnvolle Reihenfolge können beim Lesen helfen. Unverändert bleiben aber die Grenzen des Ausgangsmaterials. Ein ausschließlich aus dem Sprechsatz gebildetes Transkript kennt die nur sichtbare Statusänderung nicht automatisch.
Entscheide beim Erstellen daher bewusst, ob du Toninformation oder eine vollständige beschreibende Textfassung anbieten möchtest. Nenne diese Aufgabe im Arbeitsauftrag. „Aus Untertiteln exportiert“ beschreibt einen Herstellungsweg und beantwortet noch nicht, welche Informationen enthalten sind.
Fassung drei: beschreibendes Transkript
Unsere eigene beschreibende Textfassung lautet: „In der Atlas-Beispielliste ist Übung ausgewählt. Nach der Aktion Prüfen wechselt die Anzeige von Offen zu Prüfung abgeschlossen. Die Person sagt: Der Schritt ist fertig.“
Hier sind Handlung, Ergebnis und Sprechsatz zusammen lesbar. Die Beschreibung benennt sichtbare Informationen, ohne einen unbekannten Gedanken der Person zu erfinden. In einem echten Film musst du prüfen, welche Bilddetails für das Verständnis nötig sind und welche nur Dekoration darstellen.
Eine gesprochene Audiodeskription ist ein weiterer möglicher Weg für benötigte Bildinformation. Sie ist von einer schriftlichen Bildbeschreibung zu unterscheiden. Nicht jeder Player unterstützt jede Form ihrer Bereitstellung. Prüfe deshalb Inhalt, angebotenen Wiedergabeweg und Zugang gemeinsam.
Den ursprünglichen Kommentar verbessern
Bei einer neuen Produktion lässt sich manche Lücke bereits im Skript schließen. WAI beschreibt hierfür integrierte Beschreibung: Relevante sichtbare Information wird in den vorgesehenen Ton aufgenommen und vor Abschluss geprüft. Im Atlas-Beispiel könnte der Kommentar lauten: „Beim Eintrag Übung steht jetzt Prüfung abgeschlossen.“
Dieser Satz vermittelt das entscheidende Ergebnis auch sprachlich. Daraus folgt keine pauschale Aussage, dass der gesamte Film keine zusätzlichen Beschreibungen mehr braucht. Eine weitere stumme Handlung, Grafik oder Fehlermeldung könnte erneut wichtige Bildinformation hinzufügen.
Die drei Aufgaben am fertigen Inhalt prüfen
- Ohne Ton: Sind Sprache und erforderliche Tonhinweise als passende Textinformation verfügbar?
- Ohne sichtbares Bild: Wird die entscheidende Handlung samt Ergebnis verständlich beschrieben?
- Ohne laufende Wiedergabe: Lässt sich der Inhalt in einer nachvollziehbaren Textfassung erfassen?
- Am verwendeten Player: Können die angebotenen Fassungen tatsächlich erreicht und bedient werden?
Diese Fragen helfen bei einer konkreten Inhaltsprüfung. Sie sind keine vollständige Konformitätsprüfung und keine pauschale Rechtsbewertung. Die erforderliche Ausgestaltung hängt unter anderem vom tatsächlichen Inhalt und dem vorgesehenen Nutzungskontext ab.
Eine Untertitelspur in Vioneto hinzufügen und prüfen
Die Tastaturbedienung des eingebauten Players beobachten
Quellen und Prüfumfang
Die WAI-Originalerläuterungen wurden am 24.10.2026 geprüft. Atlas-Storyboard und Textfassungen sind eigene Beispiele. Automatische Transkript-, Beschreibungs- oder zusätzliche Tonspurfunktionen eines bestimmten Videohosts werden daraus nicht abgeleitet.