Du setzt eine zusätzliche Aufnahme in den Film. Soll sie den bisherigen Ablauf verlängern, oder soll sie eine schon vorhandene Sekunde ersetzen? Diese Entscheidung gehört vor den Schnitt. Ein optisch ähnlich platzierter Clip kann je nach gewählter Operation andere Folgen für den Rest der Zeitleiste haben.
Das Kdenlive-Handbuch beschreibt zwei entsprechende Modi: Insert schneidet und verschiebt vorhandenes Material, um Platz zu schaffen; Overwrite ersetzt den vom neuen Clip überdeckten Bereich. Der Modus ist damit Teil des Arbeitsauftrags. Eine neue Aufnahme an die richtige Bildschirmstelle zu ziehen erklärt noch nicht, welche Zeitwirkung beabsichtigt war.
Kdenlive-Handbuch: Insert Mode und Overwrite Mode
Ein viersekündiges Beispiel festlegen
Unser eigenes Ausgangsmodell besteht aus Clip A von Sekunde null bis zwei und Clip B von Sekunde zwei bis vier. Die Folge dauert vier Sekunden. Dazu kommt ein eigener Clip C mit einer Sekunde Länge. Er soll an der Stelle bei zwei Sekunden beginnen. Für den Vergleich betrachten wir zunächst nur eine stumme Bildspur ohne Übergänge oder Geschwindigkeitsänderungen.
- Vorher: A belegt 0 bis 2 Sekunden, B belegt 2 bis 4 Sekunden.
- Einfügemodell: A bleibt bei 0 bis 2, C belegt 2 bis 3, B wird auf 3 bis 5 Sekunden verschoben. Alle zwei Sekunden von B bleiben enthalten.
- Überschreibmodell: A bleibt bei 0 bis 2, C belegt 2 bis 3. Von B bleibt anschließend dessen zweite Sekunde bei 3 bis 4 erhalten. Die Gesamtdauer bleibt vier Sekunden.
Die im Überschreibmodell ersetzte erste Sekunde von B ist in dieser Ausgabe nicht mehr sichtbar. Die eigene Quelldatei B wurde für unseren Versuch vollständig bewahrt. Das Erhalten der Quelle und das sichtbare Ergebnis der Schnittfassung sind zwei verschiedene Fragen.
Das Modell tatsächlich als Dateien prüfen
Wir haben für A, B und C eigene nummerierte Bilder erzeugt und daraus die drei beschriebenen Folgen mit 25 Bildern pro Sekunde codiert. Die Ausgangs- und Überschreibfassung enthalten jeweils 100 Bilder bei vier Sekunden Dauer. Die Einfügefassung enthält 125 Bilder bei fünf Sekunden. Alle Bilder wurden decodiert und die Dateiangaben ausgelesen.
Bei 3,48 Sekunden ist in der Ausgangsdatei das ab null gezählte Quellbild 37 von B sichtbar. Im Einfügemodell erscheint an derselben Stelle erst Quellbild 12 von B, weil B eine Sekunde später begonnen hat. Im Überschreibmodell ist wieder Quellbild 37 von B zu sehen. Die normale lokale Chrome-Probe zeigte diese drei Kennungen an derselben Position.
Die Dateien stammen aus einer ausdrücklich festgelegten eigenen Bildreihenfolge. Sie belegen dieses Zeitmodell, keine tatsächlich ausgeführten Mausaktionen in Kdenlive oder Premiere. Sie enthalten keinen Ton und testen keine Gruppen, Spurenverknüpfung oder automatischen Übergänge eines Schnittprogramms.
Zuerst die Wirkung auf eine Spur kontrollieren
- An einer Kopie des Projekts die Stelle und die Dauer der zusätzlichen Aufnahme notieren.
- Eine konkrete Absicht formulieren: „B soll vollständig später weiterlaufen“ oder „die erste Sekunde von B soll hier ersetzt werden“.
- Die beteiligte Zielspur, den Schnittmodus und gegebenenfalls den verwendeten Quellausschnitt prüfen.
- Die Operation einmal ausführen. Beginn und Ende des neuen Clips, den Anschluss an B und die Gesamtdauer ablesen.
- Eine markante spätere Bildposition mit dem vorherigen Stand vergleichen. Entspricht ihre Verschiebung der beabsichtigten Zeitwirkung?
Bei einer langen Produktion reicht die Beobachtung direkt neben dem neuen Clip nicht aus. Wenn eine spätere Szene nach dem Einfügen an einer anderen Stelle beginnt, muss das zu deinem Plan passen. Besteht hingegen eine feste Laufzeit, kann das Ersetzen eines ausdrücklich gewählten Zeitfensters die richtige Absicht sein. Das ist eine inhaltliche Entscheidung, kein grundsätzlich besserer Schnittmodus.
Danach Bild, Ton und weitere Spuren zusammen ansehen
Ein einfacher Einspurenvergleich erklärt nicht, welche anderen Spuren dein Programm mitbewegt. Kdenlive dokumentiert beispielsweise beim gezeigten Umordnen im Insert-Modus eine Verschiebung auf der Zielspur. Leite daraus keine allgemeine Garantie für synchrones Verschieben sämtlicher Inhalte ab; Auswahl, Verknüpfung und das konkrete Werkzeug sind zu prüfen.
Kdenlive-Handbuch: Timeline Edit Modes und gezeigte Umordnungen
Für eine eigene Interviewmontage kontrolliere nach dem Eingriff den zugehörigen Sprechton, zusätzliche Bilder, Titel und gegebenenfalls Musik. Notiere eine unbeabsichtigte Abweichung mit der betroffenen Fassung und konkreter Stelle. So bleibt nachvollziehbar, ob das Problem die gewählte Zeitwirkung oder nur einen nicht mitgenommenen Bestandteil betrifft.
Schnittwünsche mit Fassung und Zeitposition beschreiben
Bearbeitbares Projekt und Quellen für weitere Änderungen erhalten