„Nimm den grünen Eintrag“ klingt kurz. Der Satz funktioniert aber nur, wenn Zuschauer den betreffenden Farbunterschied erkennen und richtig zuordnen. Für eine Anleitung ist meist die Bedeutung wichtiger: Welche Fassung ist gemeint und in welchem Zustand befindet sie sich?
Eine verständliche Erklärung verbindet deshalb die sichtbare Kennzeichnung mit einem passenden Namen. Im eigenen Modell lautet der genauere Satz: „Wähle Fassung B mit dem Status Freigegeben.“ Die Farbe kann weiterhin bei der Orientierung helfen. Die notwendige Auswahl hängt nun zusätzlich an Text, der die Entscheidung beschreibt.
Farbe soll die Information mittragen
W3C erläutert im Erfolgskriterium zur Verwendung von Farbe, dass bedeutungstragende Unterschiede nicht ausschließlich durch Farbe vermittelt werden sollen. Ergänzungen können etwa sichtbarer Text oder Formen sein. Eine nur für unterstützende Technik hinterlegte Information ersetzt die benötigte sichtbare Alternative dabei nicht automatisch.
Die WAI-Hilfe für Audio- und Videoinhalte behandelt außerdem Erklärungen, die nur auf Sinnesmerkmale verweisen. Nötige Bildinformation kann früh in den gesprochenen Text aufgenommen werden. Für ein Bildschirmtutorial heißt das: Benenne das Ziel und den entscheidenden Zustand, statt ausschließlich eine Farbe oder eine kurze Zeigerbewegung zu kommentieren.
Zwei eigene Statuskarten
Unser Beispiel besteht aus zwei selbst gestalteten Karten. Fassung A trägt ein rötliches Quadrat und das Wort „Entwurf“. Fassung B trägt einen grünen Kreis und das Wort „Freigegeben“. Das sind erfundene Modellkarten, keine Aufnahme einer Vioneto-Oberfläche.
Die sichtbaren Wörter erfüllen eine andere Aufgabe als die Farbtöne. „Fassung B“ benennt das Ziel; „Freigegeben“ erklärt den Zustand. Kreis und Quadrat liefern eine weitere sichtbare Unterscheidung. Die Zuordnung ist damit an mehreren Merkmalen nachvollziehbar.
Wir haben dieselben Karten im lokalen Chrome zunächst farbig und danach mit einem Graustufenfilter dargestellt. Die Texte blieben unverändert. In der angesehenen Graustufenansicht waren die Zustandswörter und Formen weiterhin erkennbar. Das ist eine konkrete Darstellungsprobe an diesem Modell, keine Simulation aller Arten veränderter Farbwahrnehmung.
Den Sprechsatz nach der Entscheidung formulieren
Vergleiche drei eigene Formulierungen:
- „Klick hier auf Grün.“ Der Satz setzt Farbe und sichtbaren Zeiger voraus; das Ziel bleibt außerhalb dieser Darstellung unklar.
- „Öffne Fassung B.“ Das Ziel ist benannt; warum gerade diese Fassung gewählt wird, bleibt noch offen.
- „Wähle Fassung B mit dem Status Freigegeben.“ Ziel und Entscheidungskriterium sind zusammen genannt.
Lies den dritten Satz gegen das tatsächliche Bild. Steht dort wirklich „Freigegeben“? Oder zeigt die Anwendung erst eine ausstehende Prüfung? Ein klar formulierter Kommentar darf einen sichtbaren Zwischenzustand nicht überspringen. Wenn sich der Status erst nach einer Handlung ändert, lass die Änderung und das Ergebnis nachvollziehbar stehen.
Nicht jede Farbe benötigt einen eigenen erklärenden Satz. Ein dekorativer Hintergrund ist eine andere Aufgabe als eine rote Fehlermarkierung, die über den nächsten Arbeitsschritt entscheidet. Frage an jeder entscheidenden Stelle: Welche Information ginge verloren, wenn die Farbtöne nicht unterschieden würden?
Im eigenen Schnitt konkret prüfen
- Halte das Video dort an, wo die Auswahl oder Zustandsänderung erklärt wird.
- Benenne Ziel, sichtbaren Status und die daraus folgende Handlung.
- Prüfe, ob die notwendige Kennzeichnung auch ohne Farbnamen eindeutig bleibt.
- Lies den Sprechtext gegen das Bild und die tatsächlich gezeigte Reihenfolge.
- Kontrolliere die entscheidenden Wörter in der späteren Playergröße.
Eine Graustufenansicht kann als zusätzliche Suchhilfe auf Farbabhängigkeit aufmerksam machen. Sie beweist jedoch weder einen ausreichenden Kontrast für alle Texte noch verständliche Bedienung mit Tastatur oder Screenreader. Diese Fragen brauchen ihre jeweils passende Prüfung.
Mehrere Zugangsmöglichkeiten zusammen planen
Sichtbare Beschriftung unterstützt Menschen, die das Bild ansehen. Eine gesprochene Zustandsbeschreibung vermittelt die benötigte Bildinformation zusätzlich über Ton. Passende Untertitel und eine gegebenenfalls ergänzte Textfassung erfüllen weitere Aufgaben. Eine einzige der Maßnahmen bestätigt nicht automatisch die ganze Zugänglichkeit des Videos.
Nimm die genaue Statusformulierung deshalb bereits in den Aufnahmeplan auf. Wenn ein Kommentar später geändert wird, kontrolliere auch die dazugehörigen Untertitel und Texte. Das reduziert widersprüchliche Fassungen wie „jetzt freigegeben“ im Ton und „Entwurf“ im Bild.
Bildschirminformationen in der Zielgröße lesbar halten
Untertitel, Transkript und Bildbeschreibung unterscheiden
Quellen und eigenes Modell
Die W3C-Originalhilfen wurden am 28.10.2026 gelesen. Karten und Sätze sind eigene Beispiele. Die lokale Sichtprüfung ist keine vollständige WCAG-, Rechts- oder Nutzerabnahme; eine solche Konformität wird hier nicht behauptet.